INHALT
TV:
Der ARD "TATORT", Sonntag, 3.Januar 2010
Fragen an Marcel Reich-Ranicki
Bruce Darnell und die grauen Mäuse
"Hart aber fair" zum Thema Contergan
ARD "Wunderkinder.Leben mit Krebs"
ZDF "37 Grad:Kleine Schritte - großes Glück"
FILM:
"Ladykillers": Die Brüder Coen als Remake-Killer
Die Ermittler schwächeln,das Böse lebt
TV KRITISCH,"Salzburger Nachrichten", 04.01.10
Günter Verdin
Nicht immer kann sich der Zuschauer an der von Alfred Hitchcock im Thriller-Genre perfektionierten Suspense-Technik erfreuen. Wenn zum Beispiel die Konsumenten des jüngsten „Tatort" (ARD) sowohl Täter wie den Mord-Anstifter kennen, sich die Frankfurter Ermittler aber so unglaublich dämlich und leidenschaftslos anstellen, kann über das Ärgernis nur das bestechend inszenierte und vom Babyface-Darsteller Matthias Schweighöfer mit abgrundtief bösem Sein erfüllte Psychogramm des Killer-Instinkts hinwegtrösten. Denn der junge Schnösel aus reichem Haus, dem Schweighöfer ein nahezu unschuldiges mörderisches Profil verleiht, tötet nicht selbst einen nach dem anderen aus der vermögenden Verwandtschaft, sondern instrumentalisiert durch Erpressung den Vater eines autistischen Sohnes für die Untaten.
Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf als Ermittler sind in ihrem vorletzten Fall vom Drehbuch dazu verdammt, sich möglichst dumm zu stellen, was ihnen zum Verzweifeln gut gelingt. Allerdings gegegn die dramatische Wucht, mit der Schweighögfer unter der Regie von Florian Schwarz den Königsmörder von Shakespearschen Dimensionen gibt, hätten sie sowieso keine Chance.

GÜNTER VERDIN Es sollte eine wunderbare Selbstfeier vor allem derjenigen Fernsehschaffenden werden, die ohnedies ständig im Rampenlicht stehen: bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises spielt die deutsche Fernsehnation noch ein wenig ungeübt, aber doch auftrumpfendmit Blitzlichtgewitter und Starparade auf dem roten Teppich ein wenig Oscar-Nacht.
Wenn sich ein Literaturkritiker wie Marcel Reich-Ranicki, der in seinen populären Sendungen immer wieder die kontroverse, auch überspitzte Diskussion über Bücher als Show inszeniert hat, in die Höhle des Löwen, also des alles vereinnahmenden Mediums begibt, um dort für sein Lebenswerk geehrt zu werden, wird er auch dann zum Teil der Unterhaltungsmaschinerie, wenn er die Annahme des Preises verweigert.
Reich-Ranicki hat mit seiner wohl kalkulierten Distanzierung von all dem gezeigten „Blödsinn“ zwar sehr zur Bereicherung des in der Aufzeichnung stark verkürzten Abends beigetragen, doch der kindische Trotz ist einem Mann seines Formats nicht angemessen.
Dass anderntags dann auch noch die zweite Literaturpäpstin Deutschlands, Elke Heidenreich, im Feuilleton der FAZ einen schrecklich unqualifizierten, undifferenzierten, aus dem Ärmel geschüttelten, sich über zwei ganzseitige Spalten ergießenden Leserbrief veröffentlichen darf, in dem sie sich vehement an die Seite Reich-Ranickis stellt und das aktuelle Niveau der Television verdammt, ist nur eine weitere erbärmliche Nuance in diesem Possenspiel.Monolog „mit“ Gottschalk? Den Höhepunkt erreicht diese „Affäre“ nun in einem als Wortwechsel gedachten, möglicherweise doch sich als Monolog gestaltenden Fernsehgespräch zwischen Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki morgen,Freitag, imZDF. Der Medienprofi Gottschalk braucht keine Ratschläge in Bezug darauf, wie er mit störrischen alten Männern umzugehen hat; er hat den unvorhersehbaren Eklat während der Verleihung souverän gemeistert.
Dennoch: Wenn das Gesprächnicht zu einem weiteren Show-Act verkommen soll, wäre zu hinterfragen, wie ein erklärter Fernsehkonsumverweigerer wie Reich-Ranicki zu seiner Pauschalverurteilung kommt; was er als Programmverantwortlicher anders machen würde; ob er die Fernsehfilme „Die Frau vom Checkpoint-Charlie“ und „Contergan“ gesehen hat; ob er die ZDF-Reihe „37 Grad“ kennt; welche Informationssendungen er gesehen hat; wie er es mit der Satire hält; was seine Kriterien für gute Unterhaltung sind und so weiter. Das Fernsehen ist kein gutes Buch, sondern ein ganzer Bücherladen. Da ist natürlich auch viel Ramsch darunter. Das ist aber kein Grund den Buchladen zu schließen.
Tv / 16.10.2008 16.10.2008 / Print

Die umstritte Stylingshow mit Bruce Darnell in der ARD GüNTER VERDIN
Der Mann ist ein sympathischer bunter schräger Vogel, der über sich lachen und andere bemitleidend schnell weinen kann, der also aus seinen Emotionen keine Mördergrube macht. Warum wir uns allerdings ausgerechnet von diesem Bruce irgendwelche verbindlichen Kleidungs- und Stylingtipps geben lassen sollen, wird nach den bisherigen Folgen seiner Show im Vorabendprogramm im Ersten der ARD nicht ersichtlich. Nur weil er bei Heidi Klums Model-Castingshow "Germany's Next Topmodel" (Pro 7) reizend Deutsch radebrechend und leicht effeminiert schreitend den Clown machte?
Eigentlich müsste Bruce den 56-jährigen Uwe toll finden. Uwe ist modebewusst, geht gerne shoppen, und hat, zum Leidwesen seiner Frau, eine Vorliebe für grelle Farben. Uwe war, bis er Bruce in die Hände fiel, einlebensfroher vergnügter und selbstbewusster Mann. Doch Bruce stutzt den durchaus originellen Mann mit dem lustigen Schnauzer zu einer grauen Maus, die unter Dutzenden Aktenkofferträgern in ICE- und Intercity-Zügen kaum hervorstechen würde.
Wir hoffen, dass Uwe nur wegen der Kameras das lieblose Spiel mitgemacht hat und schnell wieder zu seiner eigenen, völlig ungestylten Persönlichkeit zurückfinden wird.
Doch, doch, wir finden Bruce nett und gönnen ihm auch seine eigene Show, aber über seinen Kamm wollen wir uns doch nicht scheren lassen!
Tv / 29.02.2008 / Print

Der Talk "Hart, aber fair" über "Contergan", souverän geleitet von Frank Plasberg, Mittwoch, ARD GüNTER VERDIN
Mit diesen Werbeversprechungen des deutschen Familienunternehmens Grünenthal begann, je nach Sichtweise, die Tragödie oder der Skandal um das Schlafmittel Contergan: "Ein Augenblick voll natürlicher Harmonie lässt uns wünschen, dass die Sekunde sich dehne . . . Ruhe und Schlaf zu fördern vermag Contergan. Dieses gefahrlose Medikament . . . wird auch von empfindlichen Patienten gut vertragen. Schlaf und Ruhe: Contergan, Contergan forte."
Ende der 50er Jahre wurde Contergan gezielt als Beruhigungs- und Schlafmittel für Schwangere eingesetzt. Die Folgen werden durch den aufwühlenden Spielfilm "Contergan" in Erinnerung gerufen: "Es kam weltweit zu schweren Fehlbildungen von Gliedmaßen und Organen bei Neugeborenen. Allein in Deutschland gibt es 4000 Opfer.
Dem ersten Teil des Films folgte in der ARD das Diskussionsforum "Hart, aber fair" mit dem exzellenten Moderator Frank Plasberg. Ein Vertreter der Pharmaindustrie, ein kritischer Arzt, eine SPD-Politikerin mit Vergangenheit in der Pharmaindustrie, ein Schauspieler, der im "Contergan"-Film einen betroffenen Vater spielt - und vor allem der contergangeschädigte Fotograf und Maler Christian Knabe nahmen teil. Sie setzten sich mit den emotionalen Seiten des Films und den realen Konsequenzen aus einer der größten Katastrophen der deutschen Pharmaindustrie auseinander.
Die vielen Einspielfilme und eingeblendeten Thesen-Schlagzeilen, mit denen die Gesprächspartner konfrontiert wurden, ermöglichten eine spannende Diskussion auf bewundernswert hohem Niveau, in der oft Argument gegen Argument stehen blieb.
Zu den Wesensmerkmalen dieser beispielhaften Sendung gehört es, dass die Stichhaltigkeit der vorgebrachten Thesen von der Redaktion überprüft und das Ergebnis anderntags im so genannten "Faktencheck" im Web nachzulesen ist.
Zwei Kernthesen bleiben in Erinnerung: "Hart": Pharmafirmen sind an Profit interessierte Wirtschaftsunternehmen (die 10% ihres Gewinnes in die Forschung und 40% in die Werbung stecken!) und "fair": Die Pharmaindustrie hilft Millionen Menschen auf der ganzen Welt.
Der contergangeschädigte Christian Knabe, dessen Hände an den Schultern festgewachsen sind, begnügt sich nicht mit der Opferrolle. Er sagt: "Ich habe mein Leben in die Hand genommen."
Tv / 09.11.2007 / Print

"Wunderkinder: Leben mit Krebs", ARD ,GÜNTER VERDIN
Sie sind wirklich die wahren Wunderkinder: Die vielen sehr jungen Menschen, die im Kampf gegen die Krebserkrankung vorzeitig weise werden - wie der siebenjährige Simon, der an Leukämie erkrankt ist, aber keine Angst vor dem Tod hat. Der mal übermütige, dann wieder sehr nachdenkliche Bub erzählt den Filmemachern Michael Cenzig und Mick Plößner: "Es gibt bestimmt irgendwo in der Welt geheime Gänge, die man nur betreten kann, wenn man tot ist. Und das ist das Reich, wo die Verstorbenen noch weiterleben können."
Das Filmteam begleitet auch Lydia (Bild: SN/SWR/Tellux) und Mara durch den Alltag, der von häufigen Krankenhausbesuchen bestimmt ist. Bei Lydia wurde vor zwei Jahren ein Gehirntumor festgestellt, der operativ nicht zur Gänze entfernt werden konnte. Aber Lydia geht es, gegen alle Prognosen der Schulmedizin, den Umständen entsprechend gut. Sie besucht die sechste Klasse der Realschule und genießt, wie sie sagt, "das Jetzt".
Mara wiederum ist zuversichtlich, dass der nach zwei Nierentumor-Operationen verbliebene Nierenrest wieder zu einem funktionstüchtigen Organ wachsen wird.
Ein Kunstgriff hält die Erzählfäden der durcheinandergewirbelten Biografien zusammen: im Zeitraffer gefilmte Wolken, die einmal heiter, dann wieder bedrohlich dunkel wirken, stehen als Symbol für die Gemütslage der dargestellten Menschen.
Ein poetischer Film, der traurig und mutig zugleich macht. Das Einzige, was man ihm vorwerfen könnte ist, dass er manchmal ein wenig unsortiert und ausschweifend wirkt. Die gute Absicht der Macher war, möglichst viel nicht nur von den Kindern, sondern auch von ihren Geschwistern und Eltern zu erzählen, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung Übermenschliches leisten. Eigentlich müsste der Film: "Wunderbare Menschen" heißen, denn neben den kleinen Patienten kommen auch der Klinik-Seelsorger Peter Kai und seine Therapeutinnen zu Wort, die auf dem Sterntalerhof im südlichen Burgenland liebevolle ganzheitliche Betreuung für die betroffenen Familien anbieten.
Auch das Behandlungsteam auf der Krebsstation im Schwabinger Krankenhaus wird bei der schwierigen und sensiblen Arbeit gezeigt. Jeder Einzelne hat sich einen anderen Schutzmechanismus erarbeitet, um mit dem unendlichen Leid umgehen zu können.
Die Therapeutin Lisa Stritzl-Goreczko, zum Beispiel, fährt einmal im Jahr auf eine griechische Insel, um die Seelen der verstorbenen Kinder aus ihrem Herzen in die Sonne zu entlassen. "Tumor ist, wenn man trotzdem lacht", sagt sie leise. Das klingt zynisch. Aber das hat ihr ein kleiner Patient beigebracht.Günter Verdin
Tv / 23.08.2007 / Print

"37 Grad: Kleine Schritte - großes Glück", Dienstag, ZDF , GÜNTER VERDIN
Große kleine Helden! Drei Kinder mit der so genannten Glasknochenkrankheit kämpfen hartnäckig gegen ständige Brüche ihrer höchst fragilen Knochen. Beim täglichen Muskeltraining im Wasser oder an der Sprossenwand geht es vor allem um den Aufbau der Knochendichte. Alle drei Kinder haben schon ungezählte Operationen hinter sich. Sie streben mit eiserner Disziplin, unterstützt von den Eltern und Physiotherapeuten, ihrem großem Ziel entgegen: dem ersten selbstständigen Schritt. Dabei gibt es auch viele Rückschläge: Verletzungen werfen die Betroffenen um Monate in ihrem Übungsprogramm zurück.
Es sind Minidramen mit Schicksalsschlägen, Siegen und Niederlagen, mit denen die ZDF-Dokuserie "37 Grad" auch bei der jüngeren Zuseherschicht der 14- bis 49-Jährigen punktet. Die Reihe hat ihren eigenen Stil: So wenig Kommentar wie nötig, so viel Aussagen der Betroffenen und von Menschen ihrer sozialen Umgebung wie möglich. Der Film von Simone Grabs über die Glasknochenkinder Marisa, Phillip und Yogi ist realistisch und poetisch, rührend und beglückend zugleich. Die drei kleinen Helden planen mutig ihre Zukunft: Yogi, 11 Jahre, wird Dolmetscher; Marisa hat mit 12 bereits eine Erzählung veröffentlicht und will Schriftstellerin werden. Der 11-jährige Phillip, der schon kleine Spaziergänge schafft, wird Filmregisseur. Seinem jungen Leben hat er bereits überzeugende Anweisungen gegeben.Günter Verdin
Tv / 28.06.2007 / Print

Ladykillers
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Wie man ein Remake ruiniert
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Ein nur oberflächlich brillanter Tom Hanks in "Ladykillers" von Ethan und Joel Coen
In herkömmlichen britischen Gaunerkomödien hat bekanntlich noch das abgrundtief Böse Noblesse. Der klassische Fall: der Film "Ladykillers" aus dem Jahr 1955 mit dem Gentleman-Ganoven Sir Alec Guinness. Die Transponierung des Stoffs in die amerikanischen Südstaaten treibt der Geschichte den letzten Charme aus.
Die Brüder Ethan und Joel Coen haben als Produzenten schon einiges zum Laufen gebracht. Hier bringt ihre erste gemeinsame Regie die Story fast zum Stillstand. Weder Timing noch Personenführung stimmen froh und lustig in diesem Remake.
Aus der zerbrechlichen, gutgläubigen alten Lady Wilberforce wird hier die stämmige, glaubensstarke Witwe eines schwarzen Predigers namens Munson (Irma P. Hall wackelt beim Watscheln und macht Glubschaugen).
Mrs. Munson vermietet an den seriös wirkenden Professor Goldswaith Higginson Dorr den Keller ihres Häuschens für die Proben mit seinem Kammermusikensemble. Hinter den vorgeblichen Musikern verbirgt sich ein chaotischer Haufen Kleinkrimineller, welche ans große Geld im Tresor des Casinos wollen, zu dem vom Keller aus ein Tunnel gegraben werden muss.
Die Bohrgeräusche werden durch die kammermusikalische Soundkulisse aus dem Kassettenrecorder übertönt. Eventuell aufkeimende Spannung tötet das Regie-Duo fast provokant ab durch lähmend zelebrierte Situationskomik.
Das unsägliche Chargieren der Darsteller nervt ebenso wie die Dialoge, die aus dem Gegensatz zwischen dem dozierenden Ton des gerne Edgar Allan Poe zitierenden "Professors" und einer peinlich heutigen Fäkalsprache komische Wirkung erzielen will.Auch Tom Hanks bietet als "Professor" nur Brillanz an der darstellerischen Oberfläche. So haben sich die Gebrüder Coen diesmal als echte Remakekillers erwiesen.
Günter Verdin
© SN 2004
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Hautnah
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Julia Roberts, Jude Law und Natalie Portmanin Mike Nichols' Tragikomödie "Hautnah" nach dem Erfolgsstück von Patrick Marber.
Der Don Juan von heute hat es schwer mit dem leichten Leben. Nach wie vor ist er verliebt in das Verliebtsein und nicht in die Frauen, die er begehrt. Doch die Frauen, längst aus der Objektrolle ausgebrochen, spielen nicht nur mit, sondern bestimmen die Regeln im Kampf um das stärkere Ego.
Das ist auf jeden Fall ein dankbarer Stoff für das Theater, zumal wenn ihn einer mit der parlierenden Leichtigkeit und dem psychologischen Tiefgang wie der britische Erfolgsautor Patrick Marber in die Hände bekommt.
Und die Theater in aller Welt sind hungrig auf die vermeintlich leichte Kost wie "Hautnah" (Closer), die in Form einer Boulevardkomödie im allerschicksten Londoner Milieu daherkommt. Die Beziehungs-Tramödie (oder tragische Komödie?) wurde 1998 am Wiener Volkstheater gegeben und wird im April dieses Jahres auch in Bregenz, am Kornmarkttheater, herauskommen.
Das Stück ist mittlerweile zu einem Renner am Broadway geworden, und verspricht als Film durchaus ein Kassenknüller zu werden.
Mike Nichols ist ein Regisseur, unter dessen Anleitung auch auf einen Typus festgelegte Stardarsteller wie Julia Roberts oder Jude Law neue Seiten an sich entdecken können.
Im Grunde leben Marbers Figuren die Liebe nicht, sie reflektieren sie, sie sezieren sie, sie verfremden sie medial. Der erfolglose Schriftsteller Daniel verarbeitet seine Romanze mit einer zauberhaften Stripteasetänzerin (zerbrechlich, wie aus einer anderen Welt: Natalie Portman) zu einem schlechten Roman. Der Dermatologe Larry (unschlagbar als zuletzt doch noch siegender Loser: Clive Owen) sucht sein Abenteuer im Chat-Room, geht damit aber Daniel auf den Leim, der sich als die Frau ausgibt, in die er sich neu verliebt hat, nämlich als die Kämpfernatur und naturgemäß auch voyeuristische Fotografin Anna (Julia Roberts).
Sieg gegen den Nebenbuhler
Die Beziehungen werden zu jedermanns und -fraus Leidwesen wild durcheinander gewirbelt, bis es den Männern schließlich nur mehr um die Hackordnung geht. Die Don Juans bleiben heulend oder einsam im Sieg gegen den Nebenbuhler zurück.
Klingt nicht spaßig? Ist es aber. Die Dialoge sind brillant und komisch (Anna: Ich küsse nie fremde Männer. Daniel: Komisch. Ich auch nicht). Kameramann Stephen Goldblatt zeigt den Lebensstil der Middle-Society in gnadenloser Schärfe einer Hochglanzillustrierten, und Mike Nichols inszeniert Arthur Schnitzler mit den Dialogen von Marber. "Wenn du an die Liebe auf den ersten Blick glaubst, hörst du nie auf zu suchen." Und so suchen sie, und suchen sie, und finden nicht einmal sich selbst...
GÜNTER VERDIN
© SN 2005
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