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INHALTAnmerkung zu Florian Silbereisen Plattenbesprechung: Andrea Berg Der deutsche Schlager ist tot! Es lebe UDO JÜRGENS!
Alle lieben Florian, oder etwa nicht?Einer, der zum Herzerweichen schnulzt und schmalzt
Günter Verdin Es soll tatsächlich Schwiegermütter geben, die sich Volksmusikpräsentator Florian Silbereisen nicht als Mann für ihre Töchter wünschen. Das sind aber Ausnahmen! Möglicherweise mögen diese Damen gar keine volkstümliche Schlagermusik mit ihrer synthetischen Gefühlswelt. Oder die Damen mögen den schlaksigen Burschen wegen seines schrillen modischen Geschmacks nicht (da steht er ja Thomas Gottschalk an Delikatesse in nichts nach). Oder diese kritischen Schwiegermamas mögen gar keine ausgewachsenen Mannsbilder (Silbereisen ist 28), die wie kleine Jungen herumzappeln, als ob sie permanent aufs Klo müssten. Die anderen Schwiegermütter jedenfalls lieben Florian Silbereisen, obwohl er nur ungern vom eingelernten Text abweicht und sie erliegen seinem Charme, obwohl er schnulzt und schmalzt, dass es zum Herzerweichen ist. Können Millionen, die regelmäßig die Feste der Volksmusik (Samstag, ORF 2, 20.15) mit Silbereisen sehen, irren? Nein, natürlich nicht, weil Silbereisen trotz seiner jungen Jahre ein ausgefuchster Entertainer ist, dem Menschliches nicht fremd ist. Wie hat er unlängst improvisiert? „Wir lassen den Gefühlen freien Lauf, wir lassen alles laufen . . .“ Der alles in allem sympathische junge Mann ist ein Vollblutkomödiant, der mit vollem Körpereinsatz auch gerne schwierige Stunts vorführt. Vielleicht hat sich Rudi Carrell ja doch nicht getäuscht, als er Florian Silbereisen zutraute, in seine große Spuren zu stapfen?
Tv / 07.02.2009 07.02.2009 / Print
Glasklar in den Höhen
Kein neues Album von Andrea Berg. Eher ein gut abgehangenes , das genau genommen am 22. Oktober 2001 erschienen ist. Warum Andrea Bergs "Best of"- Album dennoch die SWR4 CD der Woche ist, das sagt Ihnen Günter Verdin. CD "Best of Andrea Berg" Label: Sony BMG/ Das muss ihr eine erst einmal nachmachen: seit 216 Wochen hält sich das "Best of"- Album von Andrea Berg in den Verkaufscharts, und damit nicht genug: die CD war 2004 und 2005 das meistverkaufte Schlager- Album in Deutschland. Es ist anzunehmen, dass vor allem Frauen die Lieder von Andrea Berg lieben, weil sie ihnen – durchaus unverkrampft und unsentimental – direkt aus dem Herzen singt: von keimender Sehnsucht, vom Verliebtsein, vom Belogenwerden und von Trennung ist in den meist von Andrea selbst verfassten Texten die Rede. Diese Gefühlswelt mit all den Stimmungsschwankungen und der Sehnsucht nach Berührung wird von ihrem Entdecker und Produzenten Eugen Römer in Melodien gegossen, die Ohrwurmqualität haben. Ein Up-Tempo-Beat verhindert Rührseligkeit, die Arrangements sind aufwendig, manchmal auch ein wenig überfrachtet, manches gerinnt da zum Klischee, wie etwa die Echo- Doppelung der Stimme. Eine Stimme, die auch ohne technische Mätzchen fasziniert: mal dunkel-brüchig, mal hell und glasklar in den Höhen. Das "Best of" – Album bietet auch Gelegenheit, die erstaunliche Entwicklung vom Mädel , das einst beim Kölner Karnevalsumzug zwischen den Funkenmariechen "Hoch auf dem gelben Wagen" schmetterte, zur ernsthaften Künstlerin zu verfolgen, welche mit dem Lied "Auch heute noch" aus dem Jahr 2001 sich stark dem Chanson annähert. "The best": ein Muss für alle Andrea-Berg-Fans. Bestellnummer:
Der deutsche Schlager ist tot! Es lebe UDO JÜRGENS! Günter Verdin Der deutsche Schlager hat sein Renommee – wenn es denn je eines gab - an den Automaten verspielt: zum sterilen Takt der Rhythmusmaschine erzeugen Synthesizer synthetisch klingende Orchesterklänge, darüber eine helle (z.B. Helene Fischer) oder eine verruchte (z.B. Andrea Berg) Stimme und fertig ist die Instant-Ware. Musik von Hand gemacht – wie Reinhard May in seinem Lied träumt – wird aus Kostengründen immer seltener. Und dann ist da ein Mann wie Udo Jürgens: ein solitärer Künstler mit Charakter, unverbiegbar , sich gegen die Zwänge des Medien-Business sperrend, einer, der sich selbst ans Klavier setzt und sich zudem noch ein exzellentes temperamentvolles Orchester unter der Leitung von Pepe Lienhard leistet. Nur wenige seiner über 900 Lieder, von denen über 1 Million Platten verkauft wurden, sind banale Ohrwürmer, der Rest ist beredtes Singen über Thema Nummer 1, die Liebe, oder über Zeitphänomene wie Jugendprotest („Lieb Vaterland“), Integration („Griechischer Wein“) oder Intoleranz („Ein ehrenwertes Haus“). Zum 75. Geburtstag am 30. September bereitete das ZDF dem Künstler eine wirklich schöne Bescherung: bis auf den stets besonders plaudersüchtigen Alfred Biolek stellten alle prominenten Gäste, darunter auch der ehemalige deutsche Außenminister Hans - Dietrich Genscher, die enorme künstlerische Breitenwirkung von Udo Jürgens und seine Charakterstärke in den Mittelpunkt ihrer Lobreden. Ziemlich staatstragend – und schlecht vom Teleprompter abgelesen – kamen die Glückwünsche der alten und neuen Bundeskanzlerin Angela Merkel: Udo war dennoch gerührt. Dem Anlass angemessen war auch die Auswahl der Interpreten: Roger Cicero jammte mit Udo, das Ensemble der Hamburger Musical-Produktion „Ich war noch niemals in New York“ präsentierte „Aber bitte mit Sahne“ in höchst originellem Arrangement, und die „Sportsfreunde Stiller“ interpretierten Udos New York-Lied in Generationen-übergreifender Inbrunst. Der deutsche Schlager ist nicht tot, solange Udo Jürgens nicht verbietet, seine Lieder so zu bezeichnen… |
