Lange Romane und kurze Geschichten

 

Das Lesen von Büchern so scheint es, sei aus der Mode gekommen. In Bus und Bahn beschäftigen sich die Fahrgäste mit ihren Handys, sie lesen Zeitung oder lernen, aber die meisten warten einfach nur, bis die Fahrt vorbei ist. In einer Gesellschaft, in der alles schnell gehen soll oder muss, bleibt den Menschen im Alltag wenig Zeit für das Abtauchen in eine andere, fremde Welt. Eben noch bei „Tante Lisbeth“ von Honoré de Balzac zu Gast muss sich der Arzt nun auf die Operation konzentrieren, die Kassiererin die Waren lächelnd über das Band schieben und der Netzwerktechniker Software, Computer und Benutzer bändigen. Es macht kein Vergnügen, sich nach kurzer Zeit aus einem Roman zu reißen, und am nächsten Tag völlig vergessen zu haben, wo man aufgehört hatte zu lesen. Tausende andere Eindrücke hat das Hirn seither verarbeiten müssen, da löscht es aus dem Kurzzeitgedächtnis, was nicht so wichtig erscheint. Abgesehen von den Unentwegten, für die Literatur zum Leben gehört, ist das Lesen von Büchern deshalb längeren Freizeitperioden vorbehalten. Dicke Bücher werden gern für den Urlaub aufgehoben. Sie werden im Krankenhaus und auf längeren Bahnfahrten, an Winterabenden oder Regentagen gelesen, denn der Leser braucht Muße.